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16.

Mär 2017

Cover Das Brombeerzimmer

Nora Kluge ist eine Koryphäe am Marmeladenkochlöffel. Jedes Wochenende kocht sie das Glück, die Freude und die Liebe in jeder erdenklichen Sorte ein für ihren Mann. Auch im vergangenen Jahr hat sie an jedem Sonntag in der Küche gestanden und Marmelade gekocht. Doch Julian ist nicht mehr da um diese mit ihr zu genießen. Ein Jahr ist es jetzt her, auf den Tag genau, als die Polizei vor ihrer Tür stand und ihr die schreckliche Nachricht überbrachte.
Nur wenige Stunden zuvor war Julian zusammen mit ihrem Hund Watson zum Joggen in den Park gegangen. Er wird nie wieder nach Hause kommen. Julians Herz war von einer Erkältung zu sehr geschwächt, er war sofort tot.

Watson und Nora trauern gemeinsam und doch einsam. Während Julians Familie versucht sie in ihrer Trauer zu unterstützen, schottet sich Nora immer weiter ab. Sie kann das einfach nicht. Wie könnte sie Julians Mutter gegenüber sitzen und ihre Trauer ertragen?
Katharina, Noras beste Freundin, und auch Noras Mutter tuen ihr bestes um Nora die Freude am Leben zu erhalten. Leider scheitern sie damit regelmäßig.
Am ersten Todestag von Julian lädt sich Katharina zum Frühstück ein und auch Noras Mutter kommt vorbei um nach dem Rechten zu sehen.
Man könnte meinen auch der Nachbarskater hat es sich in den Kopf gesetzt Watson abzulenken. Das Tier stolziert ständig durch den Gartenzaun und reizt den verspielten Labrador bis in die Fellspitzen. Leider ist das Verhältnis zur Nachbarin nicht das Beste und so ist Nora mehr als erstaunt, als die rüstige Dame vor ihrer Tür steht.

Sie ist auf der Suche nach ihrem Kater - mal wieder. Obwohl die beiden kaum ein Wort gewechselt haben in der Zeit die sie hier schon wohnt, wird die alte Dame plötzlich redselig. Sie habe mal ein Päckchen für Julian angenommen, damit er seiner Frau ein besonderes Geschenk zum ersten Hochzeitstag machen könnte. Leider ist es dazu nie gekommen. Doch wo ist das Päckchen nun hin?
Neugierig geworden erzählt sie Katharina von der Begegnung mit der alten Dame und gemeinsam stellen sie das Haus auf den Kopf. Nirgends finden sie etwas. Als Katharina schon lange schläft und Nora versucht den Tag endlich rum zu kriegen kommt ihr die Eingebung. Im Dunkeln schleicht sie im Haus umher und findet tatsächlich einen Briefumschlag und das passende Päckchen dazu. Julian hat ein Marmeladenrezept von seiner Großtante erfragt und diese hat es ihm samt Kostprobe geschickt. Nora ist baff. Wer ist denn bloß Klara? Soweit sie seine Familie kennt, wurde sie nie erwähnt.
Bei einem Telefonat mit Hendrik, Julians Bruder, fragt sie ihn danach und erfährt, dass die Schwester des Großvaters totgeschwiegen wird. Jeder hatte gedacht sie wäre es inzwischen auch, aber Klara erfreut sich bester Gesundheit und wohnt im schönen Mecklenburg-Vorpommern.

Nora scheut sich ein wenig Klara einfach so anzurufen, aber sie würde sich auch gern für die Marmelade und das Rezept bedanken. Vielleicht ist es keine gute Idee, aber sie fasst sich ein Herz und ruft an. Allerdings landet sie bei einer jungen Dame, die sie prompt für eine Betrügerin hält. Klara hat keine Familie, das wüsste sie. Erst beim zweiten Versuch kann Nora der Dame am Telefon erklären, wer sie ist und was sie will.
Plötzlich freundlich haben die beiden sofort einen Draht zueinander. Klara wäre gerade nicht da, sie sei im Pflegeheim, aber Nora könnte doch vorbeikommen und sie besuchen.
Aber Nora kennt Klara doch gar nicht - und Klara auch Nora nicht. Wie wird die alte Dame das wohl auffassen? Die Neugier und auch das schlechte Gewissen, dass Klara von Julians Tod noch gar nichts weiß treibt sie an die pommersche Boddenlandschaft. Was Nora hier erfährt bringt ganz neue Seiten in ihr zum Klingen.
Alles hat einen Sinn - davon war Julian überzeugt. Ob er damit Recht behalten sollte?

Das Brombeerzimmer beginnt vor allem traurig. Nora ist in ihrer Trauer gefangen und ich selbst kann es mir nur sehr schwer vorstellen, wie es sein könnte die Liebe seines Lebens zu verlieren. Nora hat ihre Ma und ihre beste Freundin an ihrer Seite, das tut ihr gut.
Das Marmeladekochen scheint eine Art Therapie zu sein, die zumindest kurzfristig hilft.

Die Geschichte um Nora und Klara beginnt gemütlich und baut sich immer weiter auf. Es ist - trotz des traurigen Themas - ein gemütliches Terrassenbuch. Der Schreibstil ist gut und man ist im Handumdrehen in der Handlung. Man sollte als Leser schon eine gewisse Neigung zum Thema Essen haben, da die verschiedenen Marmeladensorten immer wieder vorkommen und das Buch auch mit leckeren Rezepten gespickt ist. Ich persönlich kann es kaum abwarten daraus eines auszuprobieren.

Was mich dann doch etwas enttäuscht hat war das Ende. Es wird so sehr auf ein großes Geheimnis in der Vergangenheit hingearbeitet und am Ende kriegt dieses gerade einmal 10 Seiten. Das war irgendwie enttäuschend. Auch war es irgendwie abgehetzt. Mir fehlte da noch das Drumherum.
Sehr schade. Wäre das Ende etwas anders aufgebaut und die Enthüllung mit mehr 'was danach geschah' versehen gewesen, hätte es die volle Punktzahl gegeben.

Einen lieben Dank an www.vorablesen.de für das Rezensionsexemplar.

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