Buchjunkies


Rezensionen Empfehlungen Autoren Reihen Tags Rezensionsarchiv


Neuste Rezensionen

Cover Kindred Spirits

Wenn jemand Elenas Herz brechen würde, würde es Star Wars bluten. Seit sie denken kann sind es ihre Lieblingsfilme und gehören zu den Dingen, die sie noch mit ihrem Vater verbindet, seit dieser nach der Scheidung von Elenas Mutter nach Florida gezogen ist.
Deswegen ist es für sie selbstverständlich, dass sie sich den neuen Star Wars Film sofort bei der Mitternachtspremiere anschauen muss. Mehr noch, sie muss zu den ersten gehören, die den Saal betreten, weswegen sie sich vier Tage vor Filmstart in die Schlange vor dem Kino stellen und gemeinsam mit anderen Fans dieses bedeutende Ereignis feiern will.
Doch vor dem Kino sammeln sich nicht bereits Fan-Massen, wie Elena eigentlich erwartet hatte. Nein, es sitzen genau zwei Leute vor dem Kino. Überhaupt muss Elena sehr bald feststellen, dass das Campieren vor einer Premiere nicht immer so schön ist, wie sie es sich ausgemalt hat: Pinkeln wird zu einer komplizierten Aufgabe, Schlaf ist Mangelware und die Gesellschaft ist schwierig, wenn auch sehr interessant...

Obwohl Rainbow Rowells kleiner Novelle Kindred Spirits gerade mal gute 60 Seiten lang ist habe ich mich sofort ein bisschen in die Charaktere verliebt. Elena ist ein ganz normales Mädchen, das im letzten High School Jahr ist und auf der sozialen Leiter irgendwo in der oberen Mitte steht. Sie hat ihre Freunde und ihre Clique, schert sich sonst aber nicht wirklich um den täglichen Klatsch und Tratsch in der Schule. Außerdem schlummert in ihr ein kleiner Nerd, den sie nun für den neuen Star Wars Film endlich entfalten kann. Die anderen beiden Personen, die mit ihr in der Warteschlange stehen sind Troy, ein Ultra-Fan um die 30, der mit allerlei Anekdoten aufwarten kann und der immer wieder für lustige Szenen gesorgt hat, und Gabe, ein Junge in Elenas Alter, der aber kein sonderlich großes Interesse an Elena zu haben scheint und manchmal regelrecht feindselig wirkt. Doch bei ihm trügt der Schein und auch ihn mochte ich wirklich gern.
Natürlich gibt es nicht allzu viel Platz in Kindred Spirits, um eine komplexe Handlung aufzubauen. Trotzdem dreht sich die Geschichte um Freundschaft, soziale Ebenen, Akzeptanz und Menschen, die einen genau so verstehen, wie man eben ist. All das verpackt Rainbow Rowell in dieser wirklich entzückenden kleinen Geschichte.
Tatsächlich gibt es nur eine Sache, die man meiner Meinung nach an Kindred Spirits verbessern könnte und das ist die "Romantik". Dass es davon in Kindred Spirits nicht allzu viel gibt habe ich allein durch die Kürze schon erwartet. Aber es knistert ein wenig zwischen Elena und einer weiteren Figuren und ein klitzekleines bisschen mehr hätte man das schon auskosten können.

Sonts ist Kindred Spirits von Rainbow Rowell aber eine wirklich süße kleine Geschichte, die mir zwar gerade mal für eine Fahrt in die Arbeit gelangt hat, aber einfach richtig viel Spaß gemacht hat und die ruhig noch länger hätte sein können.

Jetzt bei Amazon.de kaufen: Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

Cover Swear on this Life

Emiline hat hart daran gearbeitet, ihre Vergangenheit zu vergessen. Ihre Kindheit in einer armen Stadt in Ohio, an die sie nur wenige schöne Erinnerungen hat, ist nicht gerade etwas, an das sie gerne zurückdenkt, geschweige denn mit der Welt teilt. Selbst ihr Freund Trevor, mit dem sie seit immerhin sieben Jahren zusammen ist, weiß kaum etwas davon, wie sie aufgewachsen ist.
Umso schockierter ist Emiline, als ihr das momentan von allen gefeierte Buch All the Roads Between in die Hände fällt und ihr die Handlung um die Jugendfreunde Emerson und Jackson nur allzu bekannt vorkommt - es beschreibt ihre eigene Jugend. Das kann nur eines bedeuten: Der Autor J. Colby ist in Wirklichkeit Jase Colberston, Emilines bester Freund aus Kindertagen und ihre erste große Liebe, die sie seit über 12 Jahren nicht mehr gesehen hat.
Doch Emiline fühlt sich alles andere als geschmeichelt. Im Gegenteil, sie kann es nicht fassen, dass Jase ihre Vergangenheit für seinen Erfolg dermaßen ausnutzt, vor allem da er sein Versprechen gebrochen hat, sie wieder zu finden. Die Tatsache, dass Emiline selbst eine nicht gerade erfolgreiche Schriftstellerin ist, die sich aber immer geweigert hat über ihre eigenen Erfahrungen zu schreiben, macht die Sache nicht gerade besser.
Wie konnte Jase ihr das antun? Wieso hat er das Buch aus Emilines Perspektive geschrieben? Wieso hat er sich beim Schreiben einige literarische Freiheiten genommen, wenn das Meiste doch so schonungslos der Wahrheit entspricht? Und wieso hat er nie versucht sie zu finden? All das sind Fragen, auf die Emiline Antworten braucht, auch wenn sie sich nicht ganz sicher ist, ob sie wirklich bereit dazu ist...

Ich habe mich bereits seit Monaten auf Swear on This Life von Renée Carlino gefreut, denn alle kleinen Teaser und Auszüge, die ich gesehen hatte, waren wirklich vielversprechend. Leider hatte ich aber wohl zu viel Zeit, mir auszumalen, wie wunderbar diese Geschichte werden würde, denn am Ende war ich von Swear on This Life unglücklicherweise ziemlich enttäuscht. Ich bin mir auch sehr unsicher, wie ich diese Geschichte bewerten soll, denn manche Teile sind doch relativ gut gelungen, während andere für meinen Geschmack komplett daneben gingen. Deshalb habe ich die wichtigsten Punkte einzeln bewertet:

Die Idee - 4,5 von 5 Sternen: Die Idee von Swear on This Life von Renée Carlino finde ich nach wie vor richtig toll. Viele Leute haben Emiline gesagt, dass sie über das schreiben soll, was sie kennt, um ihre Schriftstellerkarriere voran zu bringen. Jetzt ist ihr ausgerechnet Jase zuvor gekommen und das empfident sie gleich aus mehreren Gründen als Verrat. Nicht nur, weil er sich nie bei ihr gemeldet hat, sondern auch weil es ihre Geschichte ist. Auch die Buch im Buch Idee fand ich sehr spannend, denn natürlich bekommen wir einiges von J. Colbys Werk zu sehen.

Die Umsetzung - 2 von 5 Sternen: Leider hat es an der Umsetzung gehörig gehapert. Zum einen spielt viel zu viel von Swear on This Life in der Vergangenheit bzw. in All the Roads Between. Über die Hälfte dieser Geschichte ist quasi das "Buch im Buch". Das bedeutet aber auch, dass weniger als die Hälfte der Handlung in der Gegenwart spielt, was mir einfach zu wenig war. Wir erfahren zwar sehr viel über Emiline und Jase, wie sie in ihrer Kindheit waren (bzw. wie ihre literarischen Reinkarnationen sind, bei denen sich Jase beim Schreiben ja doch einige Freiheiten genommen hat), über die heutigen Charaktere erfahren wir aber nicht sehr viel. Das trifft vor allem auf Jase zu, dem wir erst in der zweiten Hälfte des Buches leibhaftig begegnen und den man für meinen Geschmack daher nur viel zu oberflächlich kennengelernt haben.

Die Charaktere - 1,5 von 5 Sternen: Die Charaktere waren für mich von daher ein sehr schwieriger Punkt. Jase wirkt wie gesagt sehr sehr flach. Die Version, wie er sich im Buch darstellt mochte ich schon, doch auch hier blieb er ein wenig zweidimsenional. Die erwachsene Version von ihm war noch schwieriger einzuschätzen, denn meistens benahm er sich ziemlich blasé und arrogant und ich fand ihn nicht wirklich sympathisch. Auch seine Beweggründe konnte ich nicht immer nachvollziehen und ich kann nicht sagen, dass er mir alle Fragen, die Emiline ihm stellt befriedigend beantworten kann. Vor allem auf die Frage, wieso er sich nie bei ihr gemeldet hat wird GAR NICHT eingegangen und das fand ich mehr als frustrierend, denn es war einer der wichtigsten Punkte für Emiline, den Jase aber immer wieder überging.
Allerdings bin ich mit Emiline selbst noch weniger klar gekommen und das liegt einfach ganz grundsätzlich an einigen ihrer Charaktereigenschaften und Entscheidungen. Zum Beispiel stellt sie sich ihren Problemen nicht und rennt vor ihnen davon, trotzdem sind immer die anderen an allem Schuld. Ein gutes Beispiel dafür ist ihre Beziehung zu ihrem Freund Trevor. Er ist alles andere als unschuldig an ihren Beziehungsproblemen, allerdings trifft Emilinge mindestens genauso viel Schuld, was sie aber meist überhaupt nicht einsieht. Stattdessen ist sie zickig und absolut uneinsichtig. Als Jase in ihr Leben tritt zeigt sie außerdem, dass sie absolut kein Rückgrat hat. In meinen Augen behandelt der sie nämlich alles andere als gut und trotzdem verfällt sie ihm sofort wieder (auch wenn sie ihn eigentlich nur treffen will, um ihm die Levieten zu lesen) - und das, obwohl sie immer noch mit Trevor zusammen ist. Sie betrügt ihn zwar nicht per se, aber sie nimmt sich schon ordentlich viel Zeit, bis sie sich entscheidet und lässt bis dahin beide Männer ordentlich zappeln. Ich mochte sie und ihre Entscheidungen schlicht und ergreifend nicht, weshalb mich die Geschichte meist auch emotional kalt gelassen hat.

Der Schreibstil - 2 von 5 Sternen: Auch der Schreibstil konnte mich nicht unbedingt vom Hocker hauen. Die Dialoge waren unnatürlich und viele der Gespräche wirken übertrieben und steif. Die Charaktere reagieren oder argumentieren oft in einer Art und Weise, die einfach nicht realistisch ist und springen von einem Thema oder Vorgehensweise zur nächsten. Außerdem ist Renée Carlinos Stil stellenweise ganz schön plump und sie verliert sich in Details, die eigentlich nicht interessieren.

Das Ende - 4 von 5 Sternen: Tatsächlich ist das Ende fast das Beste an Swear on This Life von Renée Carlino. Die letzten 10 Seiten sind wirklich gelungen und hier hat die Autorin durchaus gezeigt, dass sie schreiben kann und dass die Idee mit der richtigen Umsetzung eigentlich ziemlich gut gewesen wäre. Leider ist dieser Teil aber nur sehr kurz und knapp gehalten, so dass man sich nicht lange daran erfreuen kann.

Unterm Strich ist Swear on This Life deshalb nach wie vor sehr schwierig für mich als Ganzes zu beurteilen. Es gab einfach zu viele Dinge, die nicht gut umgesetzt waren, trotz der schönen Grundidee. Daher habe ich einfach den Schnitt der Unterpunkte aufgerundet. ;)

Jetzt bei Amazon.de kaufen: Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

Cover Steady Stroke

Enthält leichte Spoiler für das 1. Buch der Off Beat Reihe.

Lincoln hat einen großen Traum: Er will auf der Bühne stehen, Musik machen und die Leute unterhalten. Daran konnten auch seine Eltern nichts ändern, als sie ihn vor Jahren aus dem Haus geworfen haben, nachdem er sich geoutet hatte. Und auch von dem Unfall, bei dem er sich vor einem Jahr eine schwere Kopfverletzung zugezogen hat, will er sich eigentlich nicht abhalten lassen. Doch genau das scheint zu passieren, denn seit diesem Unfall hat er große Probleme mit Migräneanfällen und die ausgelöst werden können durch Licht, Lärm, Stress...und selbst durch die Vibrationen seiner Gitarre. Er hat keine Ahnung, wie er jetzt noch Musik machen soll und das ist so ziemlich das Schlimmste, das er sich vorstellen kann. Langsam aber sicher weiß er nicht mehr, was er mit seinem Leben anfangen soll, vor allem wenn er seine Freunde und ehemaligen Bandkollegen sieht, die alle weiterhin ihre musikalische Karriere verfolgen.
Doch dann erscheint plötzlich ein Silberstreif am Horizont: Er lernt den schüchternen und introvertierten Emmett kennen, der in seinem Lieblingsclub Off Beat arbeitet. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und beginnen jede Menge Zeit miteinander zu verbringen. Emmetts Leben war bisher ebenfalls alles andere als ein Zuckerschlecken und es dauert nicht lange, bis Lincoln wirklich alles für ihn tun würde. Und das beruht auf Gegenseitigkeit, denn auch Emmett würde Berge versetzen, um Lincoln glücklich zu machen. Vielleicht gelingt es beiden zusammen sogar Lincoln die Musik wieder zu geben.
Doch es gibt noch eine Sache, die zwischen den beiden steht und wenn diese jemals ans Tageslicht kommt, wird zwischen Emmett und Lincoln nichts mehr so sein, wie es mal war.

Im Grunde ist Steady Stroke von A.M. Arthur eine wirklich ganz süße Geschichte. Wir lernen Lincoln an einem Tiefpunkt in seinem Leben kennen, denn bei ihm scheint momentan wirklich gar nichts rund zu laufen. Nicht nur die Musik macht ihm Sorgen, dank seiner Kopfverletzung fällt es ihm auch sehr schwer einen Job zu finden. Er wird zwar bedingungslos von den Eltern seines besten Freundes Dominic unterstützt, doch für Lincoln sind sie bessere Eltern als es seine eigenen jemals waren und er will sie auf keinen Fall ausnutzen. Allein das hat ihn mir extrem sympathisch gemacht. Er ist ein guter Kerl, der zwar am Rande der Depression steht, aber immer noch versucht weiter zu kämpfen. Auch Emmett war einfach rundum sympathisch. Über seine Vergangenheit möchte ich jetzt gar nicht viel sagen, doch auch er hat schon einiges durchgemacht und es war einfach schön zu sehen, wie er durch Lincoln und ihre aufkeimende Beziehung aufgeblüht.
Es wartet allerdings eine ganze Menge Drama auf die beiden jungen Männer und das hat nicht mal unbedingt immer etwas mit diesem einen großen Geheimnis zu tun, das noch zwischen ihnen steht. Es gibt noch eine Menge weiterer Entwicklungen, die für gehörig Drama sorgen. Glücklicherweise hat das aber ganz gut zu Steady Stroke gepasst und hat erstaunlicherweise nie wirklich die Grenze zur Übertreibung überschritten.

Ein paar Dinge gibt es aber, die mir an Steady Stroke negativ aufgefallen sind. Zum Beispiel hat mir zu viel mit dem ersten Buch der Off Beat Reihe zusammengehangen. Es heisst zwar, dass man die Bücher getrennt voneinander lesen kann und ja, man versteht auch alles problemlos, aber es gibt so viele Anspielungen und Momente in denen einfach klar ist, dass sie auf das erste Buch hindeuten. Mir wäre es lieber gewesen, wenn sich A.M. Arthur mehr auf Lincoln und Emmett konzentriert hätte und weniger intensiv auf die alten Charaktere.
Ebenfalls nicht sonderlich gelungen fand ich das zentrale Thema, das alles zusammengehalten hat: Die Musik. Laut eigener Aussage haben Lincoln und seine Band Alternative Rock gemacht; die Musik, um die es sich aber wirklich dreht, ist eher Pop. Das ist ja an sich nichts Schlimmes, allerdings finde ich es immer furchtbar, wenn "Rockbands" alles andere als Rockmusik machen und das passiert viel zu häufig in Büchern.

Trotzdem ist Steady Stroke von A.M. Arthur ein süßes und romantisches Buch, das ich gerne gelesen habe. Lincoln und Emmett sind extrem sympathisch und ich habe wirklich mit ihnen gefühlt. Doch auch wenn die negativen Punkte nicht überwogen haben, hundert prozentig ist der Funke bei mir leider trotzdem nicht übergesprungen. Daher weiß ich noch nicht, ob ich die anderen Bücher der Off Beat Reihe lesen werde.

Steady Stroke erscheint am 2. September 2016.

Jetzt bei Amazon.de kaufen: Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter

Mehr Rezensionen »