Buchjunkies


Rezensionen Empfehlungen Autoren Reihen Tags Rezensionsarchiv


18.

Sep 2014

Cover Road of no Return Englisch

Für Stitch gibt es nichts Wichtigeres, als die Hounds of Valhalla, seinen Motorradclub, in dem er seit Jahren Mitglied ist und durch den er sein Geld verdient. Sein bester Freund Captain ist ebenfalls Teil des Clubs und grundsätzlich kann sich Stitch nicht über sein Leben beschweren. Zwar hat er gerade eine ziemlich schmutzige Scheidung durchgemacht und muss sich mit seiner Ex-Frau noch ein Haus teilen, aber bei den Hounds findet er immer Zuflucht. Dort versteht man ihn.
Zumindest solange her sein größtes Geheimnis für sich behält. Es hat einen guten Grund, warum es zwischen Stitch und seiner Ex-Frau nicht geklappt hat - denn Stitch steht eigentlich auf Männer. So sehr er sich auch wünscht, es wäre nicht so. Er ist bereit, diesen Teil von sich zu unterdrücken, vor allem, da Homosexualität etwas Widerliches ist für die meisten Mitglieder des Clubs und Stitch kann sich nur zu leicht ausmalen, wie ein Outing für ihn enden würde. Also spielt er seinen Kollegen weiterhin sein Interesse an Frauen vor.
Zumindest bis ihm Zak zum ersten Mal begegnet. Der Tattoo Künstler ist neu in der Stadt und hofft, bei den Bikern viel Kundschaft zu finden. Doch bald wird ihm klar, dass Stitch mehr von ihm will, als nur ein Tattoo. Und Zak lässt sich gerne auf ein kleines Abenteuer mit dem Biker ein.
Doch schon bald beginnen die Linien zwischen den beiden zu verwischen. Als der Club sich in immer dunklere Geschäfte verwickelt, muss Stitch Dinge tun, die er niemals tun wollte. Er sieht, wie er sein Leben eigentlich führen könnte und langsam aber sicher wird ihm klar, dass es für ihn keinen Weg mehr zurück gibt...Er will Zak. Und muss raus aus dem Club.

Normalerweise habe ich mit Büchern über Motorrad Clubs so meine Probleme. Die Romantisierung von "echten, harten Männern" und ihrem herablassenden Umgang mit Frauen sind einfach Dinge, mit dem ich nicht klarkomme, kamen aber bisher in allen MC Büchern vor, die gelesen habe. Da die Frau in diesem Fall aber ein Mann ist, dachte ich mir, dass ich Road of No Return von K. A. Merikan mal eine Chance geben werde. Bereut habe ich es nicht, denn auch wenn es bei Weitem nicht perfekt ist, ist es definitiv mal was anderes.
In vielerlei Hinsicht ist Stitch genau so, wie man es von Bikern in anderen Büchern gewohnt ist: Arrogant, gewaltbreit, dominant, aufbrausend und intensiv in jeder Hinsicht. Er hat furchtbare Vorurteile gegenüber Schwulen, weshalb es ihm umso schwerer fällt zu akzeptieren, dass er selbst einer ist. Doch er muss schon bald zugeben, dass sich nicht so richtig angefühlt hat, wie mit Zak zusammen zu sein. Das bringt auch bald den Neandertaler/Biker in ihm zum Vorschein, der alles kontrollieren muss und denkt, er kann sein "Weib" (=Zak) unter der Fuchtel halten. Zak macht ihm aber ganz schnell klar, dass das mit ihm nicht funktioniert. Das ist es auch schon, was mir an Road of No Return besonders gefallen hat: Viele der Knackpunkte, die mich an dieser Art Buch oft stören, werden angesprochen und für mich sehr befriedigend aufgelöst.
In erster Linie liegt das daran, dass Zak sich wie gesagt nicht einfach alles gefallen lässt. Er ist zwar selbst nicht die Unschuld vom Lande, doch rumschubsen von Stitch und seinen kriminellen Machenschaften lässt er sich auch nicht. Stitch beißt sich deshalb regelmäßig die Zähne an Zak aus und ich habe mich jedes Mal diebisch gefreut, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen konnte oder Zak ihm klarmacht, dass sein Verhalten alles andere als normal ist.
Trotzdem ist Road of No Return keine zuckersüße Liebesgeschichte (zumindest meistens nicht. Manchmal rutschen den beiden aber doch sehr süßliche Floskeln raus - vor allem im Bett). K. A. Merikan hält sich nicht zurück, wenn es um die Aktivitäten des Clubs geht. Der wird nämlich immer brutaler und gewaltbereiter und so steht Stitch bald vor einigen Aufgaben, mit denen er sich ganz und gar nicht wohlfühlt. Hier muss man als Leser einiges akzeptieren können, wenn man Stitch als Protagonist weiterhin mögen will.
Mir fiel das manchmal schon schwer. Stitch erhebt schnell seine Hand, auch Zak gegenüber, und hat einige Ansichten, die einfach unter aller Kanone sind. Am schlimmsten aber war eine bestimmte Tat gegen Ende des Buches, die so willkürlichen und unnötig war, dass es mir schwergefallen ist, ihm das zu verzeihen. Hier hat auch Zak einige Punkte bei mir verloren, denn je weiter das Buch fortschreitet, umso mehr ist er bereit, über Stitchs Verhalten hinweg zu sehen - selbst wenn es gegen Zak selbst geht. Loyalität und gesunder Menschenverstand lagen hier im Clinch und ich weiß nicht, wie wohl ich mich in diesem Fall damit fühle, dass die Loyalität gesiegt hat - eben weil besagte Taten so vollkommen unnötig waren. Ihr werdet sehen was ich meine.

Insgesamt fand ich Road of No Return von K. A. Merikan schon ganz interessant. Trotz aller Schwierigkeiten und moralischen Zwickmühlen hatte ich Spaß mit diesem Buch. Die Charaktere sind schwierig und nicht immer ganz sympathisch, wurden dafür aber nie langweilig. Außerdem ist es K. A. Merikan gelungen, dieser Liebesgeschichte eine gewisse Würze zu verleihen, indem sie keinen Konventionen folgt. Ob man das dann gut oder schlecht findet, muss man als Leser selbst entscheiden.

Road of No Return ist zwar Teil der Sex & Mayhem Reihe, ist aber in sich abgeschlossen.

Jetzt bei Amazon.de via Partnerlink kaufen: Original-Ausgabe

Kommentar schreiben | Facebook | Twitter