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26.

Jan 2014

~nia

Froi of the Exiles

Gute zwei Jahre sind seit Finnikin of the Rock / Winterlicht vergangen. Der 18-jährige Froi ist nicht mehr wiederzuerkennen. Der ehemalige Straßenjunge, der betteln, stehlen und Schlimmeres über sich ergehen lassen musste, um zu überleben, gehört inzwischen mit zur Elite von Lumatere. Dank der Ausbildung verschiedener Oberen des Landes spricht er mehrere Sprachen, ist in Nahkampf und Taktik ausgebildet und versteht die politischen Zusammenhänge in Skuldenore ebenso gut wie seine besten Freunde, die Königin und ihr Gemahl.
Aus diesem Grund erhält Froi den Auftrag, den König von Charyn, umzubringen. Dieser hat damals den Angriff auf Lumatere und die fünf Tage des Unaussprechlichen und ihre grausamen Folgen überhaupt nur möglich gemacht. Froi soll also in die Citavita von Charyn reisen und sich dort als einer der Letztgeborenen, als Olivier de Sebastol, ausgeben. Die Letztgeborenen sind die inzwischen herangewachsene Generation der letzten Kinder von Charyn. So wie Lumatere einst, hat auch Charyn mit einem Fluch zu kämpfen. Dieser ist jedoch noch aktiv und seit 18 Jahren, seit der Geburt von Prinzessin Quintana, ist in Charyn kein Kind mehr zur Welt gekommen. Auch wenn Froi gut vorbereitet ist, der Irrsinn, den ihn am Hof von Charyn erwartet, sprengt jedes Vorstellungsvermögen. Und so bleibt Froi nichts anderes übrig, als sich den Ereignissen auszuliefern. Was Froi (noch) nicht weiß: er ist in Charyn geboren worden und muss bald erkennen, dass ihm das Schicksal des Landes und die verrückte Prinzessin näher gehen, als je gedacht. Damit gerät nicht nur die Mission in Gefahr, sondern auch die Zukunft zweier Länder...

Was für ein Buch. Hat man von Melina Marchetta schon mal etwas gelesen, weiß man, dass die Autorin mit ihren Charakteren oft mehr als unsanft umgeht. So ist es auch in Froi of the Exiles und zwar nicht nur für Froi, sondern auch für Quintana und die übrigen wichtigen Charaktere an Charyns Königshof (und selbst für die Daheimgebliebenen in Lumatere). Was Froi in Charyn erlebt, lässt sich schwierig beschreiben, ohne zu viel von der Handlung zu verraten. Dennoch kann man sagen, dass er wirklich auf allen Ebenen an seine Grenzen gerät. Und dabei wissen wir ja schon vom ersten Buch, dass seine Vergangenheit kein Honigschlecken war. Durch den Fluch und die Ereignisse um Lumatere sind die Bewohner von Charyn furchtsam und ihr König und seine Tochter mehr oder weniger verrückt. Der König ist wahnsinnig vor Angst und lässt niemanden - außer seinen ersten Berater Bestiano - an sich heran. Selbst seine Tochter Quintana sieht ihn nur zu wenigen Gelegenheiten im Jahr. Quintana scheint dagegen eine mehrfach geteilte Persönlichkeit zu haben, was sich in spontanen Stimmungswechseln und gänzlich unterschiedlichem Verhalten äußert. Als einer der Letztgeborenen ist es Oliviers (und damit Frois) Pflicht, ihr mindestens einmal beizuliegen. Ursache ist eine Prophezeiung, nach der die Letztgeborene mit einem der Letztgeborenen als einzige in der Lage sollen, Charyns Fluch zu brechen. Froi hat keine Ahnung, ob er diesem Part seiner Mission gewachsen ist und wie er diesem wilden und unberechenbaren Wesen überhaupt näher kommen soll.

Ja, die Geschichte von Froi of the Exiles ist kompliziert und mit den oben genannten Informationen kratze ich schon nur an der Spitze des Eisberges. Doch das ist einer der Gründe, warum Melina Marchettas Geschichten so wunderbar zu lesen sind. Sie sind vielschichtig: Immer gibt es entsetzliche Momente, die man als Leser mit den verschiedenen Charakteren durchleben muss oder erschütternde Wahrheiten und unerwartete Wendungen, die man erst einmal verdauen muss. Ist man nach der anfänglichen Erläuterung der Umgebung und Umstände erst mal soweit vorgedrungen, dass man ansatzweise erfasst, wie tief die emotionale Belastung der Charaktere wirklich ist, hängt man aber längst am Haken der Geschichte. Denn die Handlung ist darüber hinaus einfach nur spannend.
Und dann ist da natürlich noch der wunderbarer Schreibstil, der auch Froi of the Exiles wieder auszeichnet. So seltsam es klingt, niemand schreibt so rau, aufrüttelnd, hart, erschütternd aber auch sanft, innig und nahegehend wie Melina Marchetta. Keine Ahnung wie das vonstattengeht, aber wenn ich ein Buch von Melina Marchetta lese, hänge ich an jedem Wort und genieße jeden Satz. Egal wie sehr man sich dabei innerlich auch windet, wenn es schlimm und schlimmer kommt.
Froi of the Exiles ist insofern noch mal besonders dramatisch, weil das Buch auf mehreren Ebenen mit einem Cliffhanger endet. Man sollte also Quintana of Charyn (Amazon-Partnerlink*), den Abschlussband der The Lumatere Chronicles, unbedingt zur Hand haben, wenn man mit Frois Geschichte startet. So kann man dann nach dem Ende, das einen nach Luft schnappend zurücklässt, gleich weiterlesen.

Tatsächlich freue ich mich heute schon auf den Tag, an dem ich die The Lumatere Chronicles noch einmal lesen werde. Wie The Lord of the Rings / Der Herr der Ringe, Harry Potter oder The Hunger Games / Die Tribute von Panem haben diese Bücher etwas Zeitloses und Ergreifendes und üben damit einen nicht enden wollen Reiz auf mich aus. Vielleicht geht es euch ja ähnlich? Wer gerne auf Englisch lässt, sollte ein Buch von Melina Marchetta unbedingt einmal ausprobieren. Die Bücher werden im Original auch der Rubrik Young Adult zugeordnet. Für Leser unter 16 Jahren sind sie meiner Meinung nach aber nicht geeignet. Zu einer deutschen Übersetzung von Froi of the Exiles ist mir nichts bekannt.

Fazit: Ein wunderbarer zweiter Teil der The Lumatere Chronicles. Froi of the Exiles ist fast noch ergreifender als sein Vorgänger Finnikin of the Rock / Winterlicht. Wer hätte das - nach der ersten Begegnung mit Froi - je gedacht.

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