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19.

Mär 2012

Cover Herr Jensen steigt aus deutsch

Herr Jensen zählt seit jeher zu den Menschen, die dem Wort Eigeninitiative noch nie begegnet sind. In der Schule wird er eins mit dem Inventar, Mädchen mögen ihn, weil er so gut zuhören kann und einen Ferienjob hat er nur bekommen, weil ein Mitschüler ihn mitgenommen hat.

Auch wenn Herr Jensen liebend gern eine Frau und Kinder hätte, scheut er sich davor auf die Damenwelt zuzugehen. Unter anderem das wirft ihm auch seine Mutter vor, deren innigster Wunsch es ist, endlich Großmutter zu werden.

Seit 10 Jahren arbeitet er nun schon bei der Post und trägt die Briefe aus. Er ist irgendwie in seinem Ferienjob stecken geblieben und weil er schon mal da war, wurde er auch nach Ende der Studentenzeit weiter beschäftigt. Doch nun soll sich sein Leben von Grund auf ändern.
Er wird entlassen. Immer wieder hat er sich Pläne geschmiedet für eine Zeit, in der er einmal machen könnte was er wollte. Nun ist die Zeit da - aber er will nicht mehr.
Mehr und mehr igelt er sich ein, verbringt Stunden vor seinem Fernseher und verlässt nur noch für die nötigsten Einkäufe seine Wohnung. Bald bestimmt das Fernsehprogramm sein Leben und seine sozialen Kontakte beschränken sich auf seine Beraterin beim Amt und seine Eltern.

Frau Ortner, besagte Beraterin, ist beinahe schockiert, als er ihr erzählt, dass er eigentlich nichts machen will. Das geht so natürlich nicht und schon wird er in eine Maßnahme gesteckt. Dort gibt es gleich eine ganze Ansammlung solcher Menschen wie ihn.
Doch es kann einfach nicht gar keinen Sinn in seinem Leben geben und so sucht er sich eine Beschäftigung, die ihn Zeit und Nerven kostet - er analysiert Fernsehsendungen und dann ereilt ihn eine Erkenntnis, die sein Leben noch einmal ändert. Doch wird es dadurch besser?

Herr Jensen steigt aus von Jakob Hein erzählt sehr anschaulich, wie es Menschen gehen kann, die ihrer täglichen Arbeit beraubt werden und keine Stehaufmännchen sind. Der Charakter des Herr Jensen ist einfach gestrickt. Er will, dass alles so bleibt wie es ist - außer der Sache mit den Frauen. Ansonsten ist er mit seinem Job und seinem Leben zufrieden. Als es dann zum Bruch seiner Routine kommt, verliert er den Halt im Leben.
Ich glaube gerade heutzutage ist der Verlust der Arbeit mit der meiste Auslöser für den totalen Zusammenbruch.
Jeder, der schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, dem Amt einen Besuch abstatten zu dürfen, kann Herr Jensens Abneigung verstehen. Und auch so findet man sich erschreckend oft in diesem skurrilen Menschen wieder.

Doch trotz allem konnte mich der Charakter nicht überzeugen. Es kam mir teilweise vor wie frisch aus einer Nachmittagsshow geschrieben, denn so richtig nah kam man dem Protagonisten hier nicht.

Auch hier danke ich meiner lieben Kollegin, für den Einblick in eine etwas andere Buchwelt.

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