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17.

Mai 2014

Cover The Deep End of the Sea englisch

Seit fast zweitausend Jahren sitzt Medusa verflucht auf Gorgon in der Ägäis fest. Geschlagen mit einem Schlangenkörper ab der Hüfte, Schlangen als Haaren und einem Blick, der tötet. Alles nur, weil sie sich als Athenes Tempeldienerin vom Meergott Poseidon becircen lassen hat. Er hat ihr damals zwar süße Worte geschenkt, sich seinen Lohn dann aber ohne Medusas Einverständnis geholt. Noch heute hasst Medusa Poseidon und ist gleichzeitig vor Angst gelähmt, wenn sie nur an ihn denkt. Medusas einzige Freunde sind ein alter blinder Seefahrer und Hermes, Sohn des Zeus und Schwester der Athene.
Jahrhunderte hat Hermes gebraucht, bis Medusa ihm ihr Vertrauen geschenkt hat. Inzwischen weiß sie, dass Hermes kein bisschen so ist wie seine Schwester oder sein elendiger Onkel. Hermes würde ihr nie etwas zu leide tun. Nahe kommen darf er ihr aber trotzdem nicht. Sie könnte es sich nie verzeihen, wenn ihre Augen ihn – wie so viele – das Leben kosten würde. Doch Hermes hat Pläne. Er möchte Medusas Fall als Petition vor das Göttergericht bringen. Schließlich kann er sie überreden und die Petition gelingt. Medusas Fluch soll rückgängig gemacht werden und Hermes besorgt ihr eine Wohngelegenheit im Olymp. Doch mit Medusas zweiter Chance geht der Ärger erst richtig los...

Geschichten mit griechischer Mythologie kann ich nur sehr schwer widerstehen. Da macht The Deep End of the Sea keine Ausnahme. Und besonders Medusas Blickwinkel und die erste Hälfte des Buches waren sehr schön zu lesen. Trotz des Fluches hat sich Medusas nämlich einen ganz wunderbaren Blick auf die Welt bewahrt. Sie hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert und ist eine witzige Kombination aus junger, begeisterungsfähiger Frau und ca. zweitausend Jahre alter leidgeplagter Seele. Diese erste Hälfte war wirklich charmant und bezaubernd. Leider wurde das Buch danach aber viel zu kitschig für meinen Geschmack. Sobald Medusa ihr Herzblatt gefunden hatte, ging es meiner Meinung nach mit The Deep End of the Sea deutlich bergab. Es war immer noch nett zu lesen. Doch von dem 'das wird ein Highlight'-Gefühl war bei mir dann doch bald nur noch wenig zu spüren. Dafür waren mir einige der Verwicklungen zwischen den Göttern zu vorhersehbar und die Enthüllungen über Medusa zum Ende hin einfach zu viel des Guten.

Der Schreibstil von Heather Lyons war humorvoll und charmant. Nach dem Part auf Gorgon und dem Olymp gab es leider nur noch wenige spannende Erläuterungen zu der Welt der Götter, was ich etwas schade fand. Schließlich war Medusa auch danach in einem Gewissen Kontakt mit dieser übernatürlichen Welt. Und dass dann am Ende keine Rede mehr von ihren neu geschlossenen Freundschaften ist, fand ich schade und hat das Buch zum Schluss etwas arg einfach wirken lassen. Ja, auch ein Young Adult Buch darf seine Leser ein wenig fordern.
Zudem waren mir am Schluss die Enthüllungen über Medusas Familie einfach zu perfekt. Da war mir mehr nach Augen rollen als nach Freudenstürmen zu mute. Hier hätte ich es besser gefunden, wenn alles nicht ganz so sonnig ausgegangen wäre. Mir kann auch keiner erzählen, dass Götter, die zweitausend Jahre lang einen Groll oder eine Leidenschaft hegen, diese einstellen, weil es ihnen gesagt wird. Doch mehr will ich an dieser Stelle wirklich nicht verraten.

Insgesamt ein charmantes und oft auch witziges Buch mit einer schönen Idee um die griechische Mythologie. Mir war die Romanze zu süßlich, aber wer so etwas mag, wird mit The Deep End of the Sea sicher zufriedener sein als ich. Alles in allem solide Unterhaltung.

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