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03.

Sep 2015

London, 1920
Der erste Weltkrieg noch nicht lange her und zwischen den Kämpfen an der Front und der spanischen Grippe gibt es kaum eine Familie, die nicht wenigstens ein Familienmitglied verloren hat. So geht es auch Roger Cottingham, dessen älterer Bruder Hugh vor drei Jahren in Belgien gefallen ist. Doch weder Roger noch Hughs Verlobter Mabel kamen die Umstände je ganz geheuer vor. Irgendetwas stimmte einfach an den Berichten um seinen nicht und das ließ keinen der beiden los.
Roger selbst war Kriegsdienstverweigerer, weshalb ihn schreckliche Gewissensbisse wegen seines Bruders plagen. Deshalb schwört Roger Mabel und sich selbst den Umständen von Hughs Tod auf den Grund zu gehen. Einen Namen gibt es nämlich, der bei seinen Recherchen immer wieder sehr verdächtig auffällt: Matthew Connaught. Wenn er der Spion ist, dessen Verrat Hugh sein Leben gekostet hat, dann wird Roger ihn dingfest machen - komme was wolle.
Also mietet er sich unter falschem Namen als George Johnson in der gleichen Pension in London ein, in der auch Matthew seit einiger Zeit lebt. Doch der junge Mann, dem George dort begegnet, ist alles andere, als der zwielichtige, verschlagene Kriegsverbrecher, den er erwartet hatte. Stattdessen ist Matthew ein lebenslustiger, sympathischer Kerl, der im Krieg viel zu viel Leid erlebt hat und der selbst mit nur einem Arm wieder zurück gekommen ist.
Je näher George Matthew kennenlernt, umso weniger kann er noch an dessen Schuld glauben...und beginnt sogar, Gefühle für ihn zu entwickeln, was die ganze Sache nur noch komplizierter macht. Doch kann George Matthew jemals wirklich vertrauen, wenn er vermutlich nie die Wahrheit erfahren wird?

To Love A Traitor von J. L. Merrow hat mich wirklich angenehm überrascht. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Kriegsgeschichten, da dieses Buch aber eher die Konsequenzen beleuchtet, als den eigentlichen Krieg, empfand ich es allein dahingehend schon als eine erfrischende Abwechslung. Es war sehr interessant zu sehen, wie britische Zivilisten und vor allem Kriegsverweigerer die Zeit damals erlebt haben und wie sie von der Gesellschaft behandelt wurden. George (er wird im Buch hauptsächlich George genannt. Den Namen Roger legt er relativ früh ab) hat seine ganz eigenen Gründe, wieso er den Dienst an der Waffe nicht leisten konnte und wollte, doch das hat ihn viel gekostet.
Mit der Suche nach dem Verräter seines Bruders, will er also in gewisser Hinsicht Buße leisten. Es ist das Einzige, was er noch für Hugh tun kann. und es liegt ihm eine Menge daran, den Verantwortlichen zu finden. Bei seinen Nachforschungen sieht er aber auch die Beziehung, die er zu seinem Bruder hatte, plötzlich mit völlig neuen Augen, denn er macht einige Entdeckungen über Hugh, zu dem er immer ein angespanntes Verhältnis hatte, mit denen er nicht gerechnet hätte. Für George hält dieses Buch also wirklich einige sehr emotionale Elemente bereit.
Natürlich steht aber seine aufkeimende Freundschaft zu Matthew im Vordergrund. Es dauert eine ganze Weile, bis Georges Vorgeschichte erzählt ist und wir Matthew wirklich kennenlernen. Doch wenn er erst mal auf der Bildfläche erscheint, muss man ihn einfach lieben. Obwohl er im Krieg seinen Arm verloren hat, behielt er immer sein sonniges und positives Wesen. Dem verfällt auch George sehr schnell, denn nicht nur wird Matthew schnell ein wirklich guter Freund für ihn, sondern er versteht ihn auch auf eine Weise, wie niemand anderes. Dass George schon bald Gewissensbisse und ein Interessenkonflikt plagen ist da natürlich ganz klar. Doch seine Nachforschungen kann er dennoch nicht aufgeben und das bringt ganz neue Probleme mit sich.

Im Grunde ist To Love A Traitor deshalb eine sehr interessante Mischung an verschiedenen Themen und Elementen. Allerdings hätte ich mir wirklich gewünscht, dass es ein klein wenig mehr Romantik gegeben hätte. Zwar knistert es ordentlich zwischen George und Matthew und es ist auch ganz klar, dass sie zu der damaligen Zeit ihren Gefühlen nicht einfach so freien Lauf lassen können. Dennoch dauert es fast bis zum Ende, bis sie wirklich zueinander finden und davon bekommen wir kaum noch etwas zu lesen. Dadurch, dass To Love A Traitor recht kurz ist, wird es zwar nie langweilig, unterm Strich hätte ich mir aber dennoch ein wenig mehr fürs Herz gewünscht.

Dennoch ist To Love A Traitor von J. L. Merrow eine gelungene Geschichte, die mir viel Spaß gemacht hat und historische Elemente geschickt mit einer ruhigen Liebesgeschichte verbindet. J. L. Merrow werde ich mir daher definitiv merken.

To Love A Traitor erscheint am 15.September 2015.

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