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29.

May 2016

Achtung: Control ist für Leser unter 18 Jahren nicht geeignet. Die Geschichte enthält bildliche Darstellungen von Gewalt in körperlicher und sexueller Form.

Joaquin Castillo ist ein Control-Agent. Bei einem Einsatz gegen einen Sklavenhandelsring bindet er unbeabsichtigt einen Sexsklaven an sich. Der junge Mann trägt ein Halsband, das über sein Rückenmark mit dem Gehirn verschmolzen ist und das aus ihm eine persönlichkeitslosen, aber sehr willigen Sklaven macht. Joaquin will dem armen Kerl, dem er den Namen Misha gibt, helfen, das Halsband loszuwerden und seine Erinnerungen zurückzugewinnen. Diese Idee birgt aber mehr Gefahren und Herausforderungen, als Joaquin jemals für möglich gehalten hätte.

Cordelia Kingsbridge hat es wieder geschafft und mich mit Control vollkommen in ihren Bann gezogen. Diese Geschichte, die in einer fiktiven futuristischen Welt spielt, hat so viele faszinierende Aspekte, dass ich gar nicht weiß wo anfangen mit dem Schwärmen. Zunächst ist da die faszinierende Ausgangnssituation, die es wirklich in sich hat:
Die Agenten bei Control bestehen in der Regel aus Zweierteams, dem Gehirn, Joaquins Partnerin Danica und dem Körper, Joaquin selbst. Danica ist es, die bei dem Einsatz erkennt, dass der tödliche Schuss gegen den Boss des Sklavenhandelrings Rowland auch Misha über kurz oder lang zum Tod verurteilen würde, da Misha ohne einen Meister zugrunde gehen würde. Sie nötigt Joaquin dem toten Rowlands ein Amulett abzunehmen und es sich selbst anzulegen. Mit dem Amulett übernimmt Joaquin die Herrschaft über Mishas Geist und Köper, ohne es auch nur zu ahnen. Und Misha ist nicht ganz einfach zu händeln. Zwar ist seine Persönlichkeit weitestgehend unterdrückt, doch dafür ist er mit einer mehr als nur übertriebenen Sexdrang ausgestattet. Einem Sexdrang, den niemand anderes als sein Meister stillen kann.

Und damit bin ich beim Punkt, der mich an Control so fasziniert hat. Die moralischen Hürden, die die Charaktere in dieser Geschichte zu bewältigen haben. Da ist Joaquin, der, um Misha gesund zu halten, dominanten Sex mit ihm haben muss. Und obwohl er bisexuell ist und BDSM für ihn kein Fremdwort ist, verabscheut er die Handlungen, zu denen das Halsband ihn und Misha zwingt. Tatsächlich funktioniert er nur, weil er chemische Unterstützung von blauen rhombenförmigen Potenzpillen hat. Joaquin hasst das Halsband und was es repräsentiert mit aller Macht. Der zunächst willenlose Misha bekommt als Zeuge von Control Neuroblocker, die langsam aber sicher beginnen, die Wirkung des Halsbandes zu unterdrücken. Control hofft, mithilfe von Mishas Erinnerungen auch Rowlands Hintermänner dingfest zu machen. Je mehr Mishas eigener Charakter hervorkommt, desto deutlicher wird ihm bewusst, was da eigentlich mit ihm geschehen ist. Hinzu kommt, dass er eine alles andere als harmlose Persönlichkeit ist. Später, wenn die Handlung schon ordentlich fortgeschritten ist, kommen Fragen auf wie: Wann heiligt der Zweck die Mittel? Ist es es Wert, kaltblütig ein Leben zu nehmen, wenn dadurch viele andere gerettet werden? Ist es eher gerechtfertig, wenn solch ein Auftrag von einer Regierung kommt oder wenn man seine eigenen, wohlmeinenden Absichten verfolgt? Cordelia Kingsbridge lässt ihren Helden nichts durchgehen. Zusammen mit Joaquin und Misha muss auch der Leser sich mit diesen, auf den ersten Blick einfachen, auf den zweiten Blick aber weit schwieriger zu beantwortenden Fragen auseinandersetzen. Alleine wegen diesen ganzen psychologischen Aspekten hat Control mir wirklich unglaublich gut gefallen.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es sich natürlich auch um eine erotische Geschichte handelt, in der Sex, Unterwerfung und Dominanz eine große Rolle spielen. Und wenn die Szenen am Anfang heiß sind, einen aber dazu bringen, sich zu winden und unangenehm berührt zu sein, dann ist das genauso beabsichtigt. Später, wenn Misha und Joaquin ebenbürtige(re) Partner sind, ändert sich das. Tatsächlich fand ich am allerbesten eine Szene, die gar keine richtige Sexszene ist, aber die Welt in Control so wunderbar präsentiert: Um an einen Informanten ranzukommen, muss Joaquin in einem Luxus-BDSM-Club einen Mann aufreißen und dabei ähnlich unterwürfig agieren, wie es Misha durch das Halsband gezwungenermaßen machen musste. Oh, in diesem Moment in Joaquins Kopf zu stecken, war wirklich ein Fest.

Genau wie Close Protection war auch Control von Cordelia Kingsbridge ein echtes Lesevergnügen. Von der ersten Sekunde an war ich fasziniert und bekam die Geschichte nicht mehr aus dem Kopf. Ich kann jedem mit dem entsprechenden Lesegewohnheiten nur empfehlen, sich die Geschichte runterzuladen. Allerdings solltet ihr euch beeilen. Da Cordelia Kingsbridge im Oktober ihr erstes käuflich erwebliches Buch herausbringt, nimmt sie ihre bislang frei verfügbaren Geschichten zum 13. Juni 2016 offline. Das betrifft Control samt Ficlet, Close Protection plus Close Protection Ficlets, sowie ihre Geschichten um die Protagonisten in Blood Red und die in Hearthkeeper. Die letzt genannte Story findet sich auf ihrem AO3-Profil, die übrigen auf ihrem Fictionpress-Account. Einzig ihre Geschichten aus dem Boston Universe bleiben online. All dieses Wissen habe ich dankbarer weise direkt von Cordelia Kingsbridge via Tumblr bekommen, die eine wirklich charmante Onlinepräsenz hat und gerne bereit ist, ihren Lesern Fragen zu beantworten.

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