10.Aug 2026 |
Guten Morgen, schönes Wetter heutevon Tanja Kokoska
Tags:
Gesellschaft
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In der Kastaniensiedlung wohnen 1584 Menschen, die meisten von ihnen nebeneinander her. Aber das soll sich bald ändern. Denn auf einer nahen Baustelle findet der Baggerfahrer kurz vor seiner Rente etwas ganz besonderes. Nicht das, worauf er gehofft hatte, aber dennoch ein explosiver Fund. Seine Schaufel hat eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg freigelegt und damit ändert sich das Leben vieler Menschen auf einen Schlag.
Die alleinerziehende Mutter Ina wartet seit einiger Zeit darauf, dass ihr Sohn Henry mit der Sprache rausrückt, was ihm auf dem Herzen liegt. Denn seit einiger Zeit weicht er ihr aus und das kennt Ina nicht. Henry und sie waren seit Beginn ein eingespieltes Team. Er wird bald 18 und Ina weiß, früher oder später wird sie alleine wohnen müssen. Davor fürchtet sie sich mehr als sie zugeben möchte.
Der Gemüseladen vom Ehepaar Arslan ist immer einen Besuch wert. Neben den frischen Lebensmitteln findet man hier besondere Worte der Freundlichkeit und manches Mal treffen sie genau zur richtigen Zeit auf die richtige Person. Doch zwischen den Eheleuten ist zu viel Alltag eingekehrt und während sich Frau Arslan damit abfindet, sucht Herr Arslan nach einer Möglichkeit, ihr Herz zum Blühen zu bringen.
Herr Bello ist seit fünf Jahren alleine. Sein Rentnerdasein läuft jeden Tag gleich ab, nahezu minutengenau. Glücklich ist er nicht, aber er arrangiert sich. Doch dann trifft er auf Ina, die eigentlich nur wenige Hausnummern weiter wohnt, und sein ganzes Dasein bekommt einen neuen Sinn. Aber darf er das wirklich annehmen?
Jeden in dieser Siedlung könnte die Detonation der Bombe in ein neues Leben katapultieren. Für die Einen eine Chance, für Andere der Untergang?
Guten Morgen, schönes Wetter heute habe ich auf Social Media gesehen und allein die kurze Vorstellung des Buches hat mich angesprochen. Also musste das Buch beim nächsten Besuch der Lieblingsbuchhandlung genauer beäugt werden. Was soll ich sagen, ich hatte keine Chance. Meine Mutter hat es mir geschenkt als Ablenkung.
Und ablenken konnte es sehr gut. Ich habe es innerhalb von kurzer Zeit gelesen und hatte von der ersten Seite an das Gefühl, ich würde in der Kastaniensiedlung leben. Als würde ich Ina bei der Hast zu ihrem nächsten Termin beobachten können oder darauf warten, dass Herr Bello die Gardinen aufzieht und aus dem Fenster schaut.
Der Schreibstil ist wirklich sehr gut und braucht keinerlei Eingewöhnung.
Die einzelnen Charaktere sind an sich austauschbar, denn es geht gar nicht sehr um die Menschen direkt, eher um das Leben, die Einstellung zum Leben und die Art wie sie mit sich und anderen umgehen. Dennoch habe ich auch nach Beendigung des Buches, alle Figuren direkt vor Augen.
Tanja Kokoska hält einem mit diesem Buch quasi den Spiegel vor. Denn wie viele Menschen in seinem Umfeld kennt man denn heute noch so richtig? Nimmt man Anteil am Leben der Menschen? Oftmals ist ein 'Guten Morgen' schon zu viel und wenn man sich auf der Straße begegnet, weiß man gar nicht, dass es sich um einen Nachbarn handelt.
Mit diesem Buch könnte sich der Blick darauf wandeln, so hoffe ich jedenfalls. Und wenn nur ein klitzekleines bisschen.
Ich werde das Buch gleich dem nächsten Menschen in meiner Umgebung zum Lesen geben. Vielleicht gibt es ja doch irgendwann wieder mehr miteinander statt nur nebeneinander.

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