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05.

Jan 2013

Vincent Hazelwood hatte nie Freunde. Er ist es gewohnt, alleine zu sein und dass er über kurz oder lang auch immer wieder verlassen wird. Doch dann kam Maggie in sein Leben. Nachdem er von einer Pflegefamilie in die nächste geschoben wurde, war die rüstige ältere Dame die Erste, die sich ernsthaft um ihn gekümmert hat. Und nur für sie bemüht sich Vince. Er versucht für sie, sich einigermaßen normal zu verhalten und die Schule abzuschließen.
Doch das bisschen Frieden, dass er gefunden hat, bricht über ihm zusammen, als Maggie überraschend stirbt und Vince wieder einmal vollkommen allein da steht. Er hat keine Ahnung wie es mit ihm weitergehen soll und auch eigentlich keine Motivation weiter zu machen. Seit er voriges Weihnachten, ein Mädchen von einer Brücke in den Tod springen sah, wandern seine Gedanken immer wieder zu dem Moment, kurz bevor sie sich in die Tiefe stürzte. Sie sah so ruhig aus, so zufrieden...so glücklich.
Vince kann nicht anders, als sich zu fragen, ob dieses Mädchen nicht die richtige Idee hatte, denn es ist niemand mehr da, der ihn vermissen würde. Im Internet findet er ein Forum namens Suicide Watch, in dem er andere Menschen trifft, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, sich das Leben zu nehmen. Alle haben völlig unterschiedliche Geschichten. Er lernt z.B. Adam kennen, der es seinen Eltern nie recht machen konnte und der seit dem Tod seines Vaters für seine Mutter unsichtbar ist. Oder Casper, die an Krebs leidet und langsam den Kampf dagegen verliert. Durch die beiden findet er endlich wieder Menschen, für die es sich vielleicht lohnen würde weiter zu machen. Doch was bringt das, wenn keiner von ihnen vorhat, noch lange am Leben zu bleiben - weder seine beste Freundin, noch der Junge, in den er sich langsam verliebt?

Es gibt so viel über Suicide Watch von Kelley York und seine Charaktere zu sagen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Jede einzelne der Figuren ist auf die ein oder andere Weise gebrochen. Die Geschichte ist aus Vincents Sicht erzählt und allein mit ihm hat der Leser alle Hände voll zu tun. Wie gesagt erwartet er immer, alleine gelassen zu werden, kann auf der anderen Seite aber alleine fast nicht überleben, da er nie gelernt hat, was im Leben wichtig ist. Doch nun ist er volljährig und damit auf sich gestellt. Er hat immer wieder manische Phasen und fühlt entweder gar nichts, oder viel zu viel auf einmal. Vince ist von Selbstzweifeln geplagt, kann nicht mit oder vor Fremden sprechen und kann sich die meiste Zeit selbst nicht erklären, wieso er all diese Dinge fühlt. Obwohl er alles andere als einfach und ein echtes Häufchen Elend ist, konnte ich nichts anderes für ihn empfinden, als Mitgefühl. In mancher Hinsicht ist er wie ein kleines Kind, dem man helfen möchte. Auf bestimmte Weise sind er und Adam sich recht ähnlich, auch wenn dieser sich wesentlich leichter in der Gesellschaft von Menschen tut. Er ist sehr sensibel und Musiker durch und durch und trotzdem ein ähnlich komischer Kauz wie Vince. Zusammengebracht werden die beiden durch Casper. Das quirlige, selbstbewusste Mädchen hat sich damit abgefunden, dass sie sterben wird. Was sie allerdings nicht akzeptieren kann, ist die Erniedrigung gebrochen und hilflos an dahinzusiechen.
Es ist wohl ziemlich klar, dass Suicide Watch kein fröhliches Buch ist. Vin, Casper und Adam müssen sich durch ihre jeweiligen Schicksale arbeiten und versuchen heraus zu finden, ob es sich lohnt weiter zu leben. Sie machen dabei große Entwicklungen durch, erleiden aber auch schreckliche Rückschläge. Besonders traurig daran ist vor allem, dass Casper als die Lebenslustigste von allen, die Einzige ohne jegliche Überlebenschance ist. All das kratzt aber nur die Oberfläche dieser Geschichten an. Es gibt viele Wendungen und Überraschungen (denn auf der Suicide Watch Homepage geht ebenfalls nicht alles mit rechten Dingen zu), wie alles ausgeht und sich die Charaktere entscheiden, müsst ihr aber selbst lesen.

Auch wenn Suicide Watch von Kelley York ein eigentlich sehr ruhiges Buch ist, so hat es die Autorin doch geschafft, den perfekten Ton zu treffen, so dass sich die Geschichte nicht nur wunderschön liest, sondern bei aller Tragik auch die Hoffnung nie verloren geht. Trotzdem ist Suicide Watch ein Roman, der zu Herzen geht und obwohl er zu Tränen rührt weder kitschig noch allzu rührselig ist. Stattdessen liefert Kelley York eine ergreifende Geschichte, die keine Angst davor hat, die Menschen zu zeigen, wie sie sind und realistisch und feinfühlig mit diesem extrem heiklen Thema umgeht. Nyrae Dawn fasst es in ihrer Empfehlung auf dem Cover eigentlich perfekt zusammen: A powerful story that breaks your heart and stitches it back together with hope.

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